Der "Falkenknopf" – das Erkennungszeichen der Einwohnerwehren nach dem Ersten Weltkrieg
"Falkenknöpfe" waren das Erkennungszeichen der Einwohnerwehren, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in den deutschen Ländern als Einheiten des Selbstschutzes zur Unterstützung der Sicherheitspolizei eingerichtet wurden. Sie entwickelten sich aus den seit November 1918 spontan gebildeten Bürgerwehren (Volkswehren), die nach den Vorgaben des Reichswehrministeriums im März 1919 zu zentral gelenkten, auf Landesebene einheitlich organisierten Einwohnerwehren umgestaltet wurden.
Da sich in der Folge ein Teil der Einwohnerwehren zu republikfeindlichen Gruppen entwickelte, wurden sie ein Jahr später nach dem Kapp-Putsch ab April 1920 wieder aufgelöst. Die Einwohnerwehren, die allein in Preußen insgesamt mehr als 626.000 Mann umfassten, bestanden aus freiwilligen, ehrenamtlichen oder nebenamtlichen Mitgliedern. Sie unterstützten die Sicherheitspolizei bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Als lokaler Ordnungsdienst, der mit der örtlichen Polizei zusammenarbeitete, unterstanden die Einwohnerwehren ebenfalls dem jeweiligen Polizeipräsidenten und wurden häufig zur Sicherung von öffentlichen Gebäuden eingesetzt.
Auch in der Stadt Essen wurde eine Einwohnerwehr gebildet. Sie bestand aus ca. 170 Mann, bei denen es sich vorwiegend um fronterfahrene Weltkriegssoldaten aus dem nationalkonservativen Bürgertum handelte. Bewaffnet waren die Wehrleute mit dem Karabiner K 98, einer Pistole und Munition. Die Einwohnerwehren hatten ein landesweit einheitlich gültiges Erkennungszeichen, den silbernen "Falkenknopf".
Seinen Namen erhielt der Knopf, der im Knopfloch am Revers getragen wurde, durch den darauf abgebildeten Falken, ein Symbol für Wachsamkeit und Schutz. Zudem trug er den Schriftzug "Einwohnerwehr Deutschlands". Zusätzlich wurden von den Mitgliedern der Einwohnerwehren noch weiße Armbinden als Erkennungszeichen getragen.
Der "Falkenknopf" aus dem Nachlass von Heinrich Potthoff
Die kleinen "Falkenknöpfe" sind heute recht selten überliefert. Das Haus der Essener Geschichte konnte bislang in seinen Beständen kein Exemplar nachweisen. Durch die großzügige Schenkung der Familie Potthoff hat sich dies nun geändert. Dabei ist das Geschenk eine besondere Rarität, da dieser "Falkenknopf" anstelle der üblichen Bezeichnung "Einwohnerwehr Deutschlands" die Inschrift "Einwohnerwehr Essen" trägt und seine Verwendung in der Stadt Essen damit zweifelsfrei belegt werden kann. Die Rückseite des versilberten Messingknopfes trägt den Namen des Herstellers „B-H-Mayer-Pforzheim“. Mit 19 x 19 mm Durchmesser ist er etwas kleiner als die üblichen Deutschland-Knöpfe (23 x 23 mm).
Dass wir heute noch den ehemaligen Träger des "Falkenknopfes" nachweisen können, ist ebenfalls eine Besonderheit. Es handelt sich um Heinrich (Heinz) Potthoff (1895-1985), der uns gemeinsam mit seinem Bruder Hermann Potthoff (1892-1920) in der Essener Stadtgeschichte als Verteidiger des Steeler Wasserturms während des Kapp-Putsches im März 1920 begegnet. Beim Sturm der Roten Ruhr-Armee auf den Wasserturm am 19. März 1920 wurde Heinz Potthoff durch zwei Säbelhiebe schwer am Kopf verletzt. Sein Bruder Hermann bezahlte seinen Einsatz als Mitglied der Einwohnerwehr mit dem Leben. Er gehört zu den mindestens elf Männern der rund 40 Mann starken Besatzung des Steeler Wasserturms, die bei dem Angriff getötet wurden.
In der städtischen Erinnerungskultur ist die Eroberung Essens durch die Rote Ruhr-Armee am 19. März 1920 eng mit dem Kampf um den Wasserturm an der Steeler Straße verbunden. Bis heute kursieren verschiedene Deutungen der Ereignisse, die bereits früh erkennbar und vielfach durch politische Überzeugungen und weltanschauliche Wertungen motiviert sind.
Quellen
HdEG Slg. 996 (Münzen und Medaillen), Nr. 1: Falkenknopf der Einwoh-nerwehr Essen aus dem Nachlass von Dr. Heinz Potthoff.
HdEG Slg. 850 (Manuskripte), Nr. 383: Ludwig Potthoff, Chronik der Fami-lie Potthoff, Essen 1964.
Literatur
Claudia Kauertz, Johannes P. Stoll, Ein besonderes Geschenk für das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv: ein „Falkenknopf“ der Essener Ein-wohnerwehr aus dem Besitz der Familie Heinz Potthoff, in: Infos Arbeits-gemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen 55 (2026) (i.V.)
Johannes P. Stoll, Die Brüder Potthoff im Ersten Weltkrieg (1914-1919), Essen 2025 [Selbstverlag].
Ders., Familie Potthoff. Chronik und andere Geschichten, Essen 2025.
Ralf Stremmel, Die Rote Ruhr-Armee in Essen. Neue Aspekte eines Bürger-kriegs, Münster 2020.